24. Oktober 2022
Pfarrer Karl Neef verstorben

Die Abschiedsfeier fand am Freitag, 28.10.2022 auf dem Totenbergfriedhof in Heidenheim statt. Der Gründer des Kinderwerkes Lima wurde 97 Jahre alt.

Karl Neef wurde am 30. Oktober 1924 in Herrenberg geboren. Er wuchs mit acht Geschwistern auf.

„Ingenieur wollte ich werden“, erzählte er. „Mein größerer Bruder war bei Dornier am Bodensee und baute Flugzeuge, das wollte ich auch.“ Nach der Schule lernte er erst mal „beim Daimler“ den Beruf des Mechanikers. Aber anstatt eines anschließenden Studiums fand er sich 1943 in der Wehrmacht wieder. Er wurde verwundet und geriet in französische Gefangenschaft. Unter abenteuerlichen Umständen gelang ihm die Flucht und er konnte zu Fuß nach Hause zurückkehren.

„Ich ging dann auf die Ingenieursschule nach Leonberg, aber in mir hatte sich etwas verändert“, sagt er nachdenklich. „Gab es nichts Wichtigeres im Leben, als Motoren und Fahrzeuge zu entwickeln? Mir schien doch: Es war der Dienst für Gott. Nach allem was ich erlebt hatte, wollte ich mithelfen, dass andere Menschen von Gott erfahren und Frieden in ihrem Leben verspüren.“ So wandte er sich der Theologie zu. Zuerst als „Hilfsprediger“ in der methodistischen Kirche, später als berufener Pfarrer der Evangelischen Landeskirche von Württemberg.

 

Sein Vikariat machte er in Fellbach. Die Waldkirchengemeinde in Heidenheim war seine erste Pfarrstelle (1956 – 1965).

Das Gebet wurde der Grundstein seines Wirkens. Pfarrer Karl Neef und sein Freund Uli Göckelmann trafen sich jeden Morgen um 6 Uhr zum Gebet für die Stadtverwaltung, Regierungen und Menschen im In- und Ausland. Aber vor allem der Glaube jedes einzelnen lag ihnen sehr am Herzen. Also beteten sie für die Menschen im Nachbarhaus, dann weiter die Straße hinunter und später sogar mit einer Straßenkarte.

Sie beteten um eine Erweckung in Heidenheim. Währenddessen begann in Stuttgart Helmut Wenzelmann mit regelmäßigen missionarischen Aktionen, den sogenannten „Offenen Abenden“. Die Heidenheimer Waldkirche übernahm das Veranstaltungsformat und kooperierte mit dem Offenen Abend Stuttgart. Mittwochs sprach der Redner in Heidenheim, donnerstags im Hospitalhof nach Stuttgart. So kamen interessante Christen aus der ganzen Welt nach Heidenheim

 

Für eine Evangelisation mit dem italienischen Evangelisten Erino Da Pozzo verteilten die Waldkirchler zur Frühschicht 3.000 Einladungen vor den Fabriktoren von Voith. Die Abende fanden im Paulus-Gemeindehaus statt und waren dermaßen überfüllt, dass ins Treppenhaus und sämtliche Nebenräume Lautsprecher gehängt wurden, damit die Menschen wenigsten hören konnten, was im großen Saal vor sich ging. In Heidenheim herrschte geistliche Aufbruchsstimmung. Mehrere Besucher gingen später als Missionare in die ganze Welt.

Einer der Redner war Dr. José Moro, ein Italiener, der mit der „Schweizer Indianer Mission“ im Hochland Perus arbeitete. Er erzählte von der Abwanderung der Dorfbevölkerung in die Hauptstadt Lima. 1967 fragte er den Trägerkreis des Offenen Abends Heidenheim an, ihm beim Bau einer Kindertagesstätte für vernachlässigte Kinder in Lima zu helfen. Die leitenden Brüder sagten zu. Das war die Geburtsstunde des „Kinderwerkes Lima“.

 

Für Karl Neef folgten zunächst fünf Dienstjahre als Pfarrer in Isny (Allgäu). Von 1970 bis 76 wurde er von der Landeskirche zum Dienst für das Kinderwerk freigestellt. Er verbrachte jeweils ein halbes Jahr in Peru und Deutschland. Seine Familie wohnte im Missionshaus in Heidenheim.

Von 1977 bis 1985 versah Karl Neef die Pfarrstelle in Weissach bei Stuttgart. Danach arbeitete er von Heidenheim aus zuerst hauptberuflich, später ehrenamtlich in der Öffentlichkeitsarbeit des Werkes mit.

 

 

Peru wurde seine Leidenschaft

 

Pfarrer Neef war nicht nur zum Predigen in Südamerika. Als Mechaniker und Ingenieur legte er auch Hand an, wenn es galt Mauern hochzuziehen, Fenster einzusetzen oder Wasserleitungen anzuschließen. „Uns war von Anfang an klar, sagte er einmal, dass diese Kinder etwas lernen mussten. Sie sollten einmal aus eigener Kraft ihren Lebensunterhalt bestreiten können und eine Arbeit finden.“ Auch deshalb sorgte Karl Neef dafür, dass an die Schulen Werkstätten für Mechaniker, Elektriker und Industrieschneider angeschlossen wurden.

So mancher der ehemaligen Zöglinge ist heute in mittleren Führungspositionen in größeren Firmen beschäftigt oder hat gleich eine eigene kleine Firma gegründet. Nicht nur einmal kamen leitende Leute von großen Betrieben und berichteten, dass die Gutenberg-Absolventen viel zuverlässiger wären, als andere. Arbeiter. Sie kämen auch pünktlicher zur Arbeit. Karl sagte dazu: „Wir wussten: Das macht das Evangelium. Ein Mensch der Gott gefallen will, ist auch einer, auf den man sich verlassen kann.“ Heute betreibt das Kinderwerk sechs Schulen in Peru, Paraguay und Burundi für insgesamt 5.500 Kinder und Jugendliche. Dazu kommt ein Kinderspeisungsprogramm in Lima und Burundi, in dem jeden Tag über 3.000 Kinder ein Frühstück bekommen.

Seit 1994 lebte Karl Neef im Seniorenzentrum „Hansegisreute“ in Heidenheim/Brenz, unweit des Missionshauses. Immer wieder nahm er an den wöchentlichen Gebetstreffen im Missionshaus teil und war bis zuletzt sehr interessiert an dem Fortgang der Arbeit in Südamerika und Afrika.

Am 30. Oktober wäre Karl Neef 98 Jahre alt geworden. Er hinterlässt 2 Kinder, sechs Enkelkinder und 5 Urenkel.

Kinderwerk Lima

www.Kinderwerk-Lima.de

25. Oktober 2022