30. April 2018Rubrik Paraguay
"Es hat sich viel gewandelt" - Interview mit Katharina Schmutz über Santaní

Katharina Schmutz war 2014 als Praktikantin für ein halbes Jahr in Santaní. Ende vergangenen Jahres kehrte sie für ein erneutes Kurzpraktikum dorthin zurück. Sie erzählte von ihren Erfahrungen.

 

 

 

Was hat sich in Santaní geändert?

Alles hat sich sehr vergrößert. Es gibt neue Gebäude, einige Hauskreise und viel mehr Angestellte. Inzwischen sind vier Schulpastoren in Santaní. Außerdem wird dieses Jahr der „Nachmittagsturnus“ eingeführt. Zusätzliche Schüler werden nun von 13.00 Uhr bis 18.00 Uhr unterrichtet. So werden die nachmittags leerstehenden Klassenräume fast voll ausgenutzt.

Die Stadt selbst scheint immer noch gleich zu sein. Die Hauptstadt Asunción dagegen hat jetzt gefühlt mehr Einkaufscentren, Kaffees und Restaurants.

 

Was war für dich die größte Veränderung?

Das war wohl die Praktikantenwohnung, die es jetzt gibt. Es wurde ein kleines Häuschen gebaut, in dem die Praktikantinnen ihre eigenen Zimmer, einen Aufenthaltsraum und auch ein neues Bad mit Dusche haben. Damals schliefen wir in einem kleinen Zweibettzimmer im Kindergarten und teilten uns ein Bad mit den Kindergartenkindern. Heute gibt es sogar genug Platz, um Gäste einzuladen.

 

Was war deine Aufgabe in Santaní?

Ich habe im Kindergarten mitgeholfen. Es gab dort eine Vierjährige, die häufig aggressiv und auch gewalttätig gegenüber den anderen Kindern wurde. Ich wurde ihre Schattenlehrerin. Man sagte ihr, dass ich gerne ihre Freundin werden würde und so durfte sie sich um mich „kümmern“. Ihr Verantwortungsbewusstsein mir gegenüber war richtig süß und ihre Aggressivität ließ nach.

 

Wie ging es dir damit, deine alten Freunde wiederzusehen?

Es hat sich viel gewandelt, doch das Schöne ist, dass ich mich trotzdem mit meinen Freunden dort sofort wieder verstanden habe. Nach drei Jahren mit nur lockerem Kontakt waren sie immer noch die gleichen, liebenswerten Menschen. All meine Zweifel, die ich zuvor hatte, wurden über Bord geworfen, als ich mit derselben Herzlichkeit empfangen wurde, die ich in Erinnerung hatte.

 

Kannst du dazu ein Beispiel machen?

Meine beste Freundin in Santaní ist Sonja, eine Putzfrau in der Schule. Sie ist etwa zehn Jahre älter als ich, aber wir verstehen uns sehr gut. Obwohl wir aus den verschiedensten Hintergründen kommen und nur manchmal über das Internet Kontakt haben, ist unsere Basis noch immer die Gleiche. Es ist so schön, wie wir miteinander harmonieren.

 

Wer hat deiner Meinung nach die stärkste Veränderung durchlebt?

Der Hausmeister, Maximino. Nach seinem Lungendurchschuss (siehe Infoheft Nr. 192, Juni 2017) im vergangenen Jahr geht es ihm nun wieder gut. Er arbeitet wieder fleißig und ist unheimlich freundlich und zuvorkommend, so wie auch zuvor. Doch jetzt hat er sich noch einmal richtig mit der Arbeit in Gutenberg identifiziert.

 

Wie reagierte man in der Schule auf das Vorgefallene?

Verstärkte Sicherheitsvorkehrungen habe ich nicht bemerkt. Der Täter, Ehemann einer Lehrerin der Gutenberg, ist inzwischen zu mehreren Jahren Haft verurteilt worden. Er hat damals auch seine Frau verletzt und sie und seine Kinder haben sich in Folge des Angriffs von ihm losgesagt. In der Schule, Kirchengemeinde und in Hauskreisen wird aber trotzdem für ihn gebetet. Das finde ich wirklich beeindruckend.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Das KWL in Santaní:

Circa 500 Schüler der Klassen 1-12 besuchen die Gutenberg-Schule in Santaní. Über die Hälfte der Schüler kommt aus sozial schwachen Verhältnissen und erhält finanzielle Unterstützung.

Die Schule ist ein Entwicklungshilfeprojekt des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ).

Seit 2018 wird der Nachmittagsturnus eingeführt. Neben Schülern des bisherigen Vormittagsturnus werden nun weitere Schüler nur am Nachmittag zwischen 13 und 18 Uhr unterrichtet. Mit jeder Einschulung rutscht ein neuer Doppeljahrgang nach.