15. März 2017Rubrik Peru
Hintergrundartikel: Bio Kläranalage in der Schule des Kinderwerkes im Stadtteil El Agustino (Lima) im Bau

„Es dauert nicht mehr lange“, sagt Feldleiter Martin Bareiß mit Blick auf die biologische Kläranlage, die derzeit in der Johannes-Gutenberg-Schule in El Agustino gebaut wird. „Die beiden Container mit der Klärtechnik und den Bio-Reaktoren sind bereits hier in Lima am Hafen angekommen. Derzeit machen wir die Zollabfertigung.“

Auf dem Schulgelände wurden in den letzten Wochen viele hundert Meter Parallelleitungen verlegt, die die Toiletten und die Gartenbewässerung mit dem Klärwassertank verbinden. Die fünf Meter tiefe Erfassungsgrube wurde direkt im Eingangsbereich der Schule in den gewachsenen Fels gehauen. „Die letzten zweieinhalb Meter mit dem Presslufthammer und per Hand“, merkt Bareiß an.

 

Die Flächen für die 4 großen Speichertanks für das Reinwasser sind fertig betoniert. Die Fläche für einen fünften, etwas kleineren Speichertank oben am Hang wurde ebenfalls in mühsamer Handarbeit  abgegraben, gesichert und betoniert. „Unsere Eltern haben inzwischen mindestens 1.000 Arbeitsstunden in das Projekt gesteckt. Da oben am Hang gibt es ja keine Wege, alles muss mit einer Menschenkette hoch- und runtertransportiert werden“, so Bareiß.

 

Einzelne Gewerke wurden an kleine Handwerksfirmen vergeben. Dabei kamen auch einige Väter zum Zuge, die sich als Ein-Mann-Betrieb selbstständig gemacht haben: Elektriker, Maurer und Installateure. Es gibt gerade für die Handwerker noch jede Menge Arbeit. So müssen bis April 87 Spar-Toiletten eingebaut werden. Dafür werden auch neue Schüsseln gebraucht, die für geringeren Wasserdurchfluss optimiert sind: 4,8 Liter werden dann noch pro Spülgang fällig - anstatt 12 Litern wie bisher.

 

Mitte April kommen zwei Techniker der deutschen Lieferfirma, die die Komponenten anschließen. Ende April soll die Anlage einweiht werden und mit einem Teilbetrieb für die schulinternen Abwässer starten. „Das ist auch dringend nötig“, sagt Bareiß, „vergangenes Jahr wurde uns von der Stadt hier im El Agustino an über 50 Tagen das Wasser abgestellt – aus Spargründen. “

   

Die gesamte Anlage kostet etwa 400.000 Euro und ist nur möglich geworden, durch die Unterstützung des ´Rotary Deutschland Gemeindienstes´. Dank Rotary wurde das Klär-Projekt als Entwicklungshilfe-Projekt der Bundesrepublik Deutschland angenommen. Dem Kinderwerk verbleibt ein Eigenanteil von etwa 20.000 Euro an den Investitionskosten, die durch Spenden aufgebracht werden konnten. „Schon nach knapp zwei Jahren werden wir diese 20.000 Euro durch geringere Wasserkosten amortisiert haben“, freut sich Bareiß.

 

Auch die 1.500 Schülerinnen und Schüler sollen mit einbezogen werden: Der Feldleiter erklärt: „An einem samstäglichen Arbeitseinsatz haben Eltern für die Kindergartenkinder Bio-Gärten angelegt, in denen bald Salat, Radieschen und anderes wachsen soll.  Demnächst wird es für unsere Lehrer und Erzieherinnen Kurse geben von Fachleuten für Bio-Gärten in städtischen Gebieten. Die älteren Schüler der Sekundarschule werden oberhalb der Schulgebäude ihre Gärten haben. Das Erziehungsministerium hat den Schulen dieses Jahr erstmals auch Bio-Gärten und Umweltschutz in den Lehrplan geschrieben. Die Stadtbevölkerung soll zu einem ökologisch sensibleren Lebensstil erzogen werden.  So sind wir unverhofft zu einem Vorreiter in Sachen Umwelterziehung in Peru geworden.“

 

 

 

 

 

 

So funktioniert die Anlage:

In der Erfassungsgrube werden alle Abwässer der Schule (und später auch einmal öffentliche Abwässer der Stadt) gesammelt. Das Schwarzwasser wird Belüftet und es findet eine Vor-Zersetzung statt. Durch ein Sieb wird das Wasser von dort in die Bio-Reaktoren der Container nebenan gepumpt, wo eine weitere Zersetzung durch Bakterienkulturen vonstattengeht. Was nicht durch die Filter passt wird wieder zurück zur vorigen Stufe geführt und erneut zersetzt. Am Ende wird das Wasser durch Mikro-Filter geleitet, die auch Keime zurückhalten. Heraus kommt geruchsfreies, mit Nährstoffen angereichertes Wasser mit nahezu Trinkwasserqualität. Interessant bei dieser Technik: Es entsteht kein Klärschlamm, sondern nur anorganische Reste, die entsorgt werden müssen: Steine, Plastik, Sand usw.

 

 

März 2017

www.Kinderwerk-Lima.de

www.Kinderwerk-Lima.ch