17. April 2018Rubrik Peru
Kindergarten in El Agustino wird abgerissen

Schließung droht - Provisorium wird eingerichtet!

Kindergarten in El Agustino wird abgerissen

Zwei Ereignisse vergangenes Jahr haben aktuell erhebliche Auswirkungen auf unsere Arbeit in Lima. Zum einen waren da die schweren Regenfälle mit Überschwemmungen im gesamten Küstengebiet Perus. Dabei zeigte sich, dass viele Häuser und öffentliche Gebäude - insbesondere Schulen- eine mangelhafte Bauqualität aufwiesen und unter den Wassermassen viel zu schnell kollabierten.

Zum anderen stellte sich heraus, dass auch die peruanische Regierung in den Bestechungsskandal der Firma Oedebrecht verwickelt war. Der brasilianische Baukonzern hatte in ganz Südamerika Regierungen bestochen.

Vor diesem Hintergrund wurden von der Regierung seit 2017 29 Anti-Korruptionsgesetze erlassen. Gerade im Bausektor und bei öffentlichen Gebäuden wird seitdem auf penible Einhaltung aller gesetzlichen Vorgaben gedrungen.

Auch für den Betrieb von Schulen und Kindergärten wurden in den letzten zehn Jahren eine Vielzahl von technischen Vorschriften erlassen.

Viele Schulen im Land konnten diese Standards im geforderten Umfang (und vor allem in der geforderten Zeit) nicht herstellen. Im letzten Jahr wurden daraufhin 600 Schulen wegen gravierender Mängel geschlossen. Als Kinderwerk haben wir in der Vergangenheit versucht, im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten bei Renovierungsmaßnahme immer die aktuell geforderten Standards einzubauen was allerdings nicht immer möglich war.

Und nun stehen wir und alle anderen Schulen (vor allem Privatschulen) Perus vor der Situation, dass die Regierung Prüfer an die Schulen schickt, um zu sehen, ob sie auch gesetztes konform betrieben werden. Werden Mängel festgestellt, drohen hohe Bußgelder von 100.000 Dollar und mehr.

Anfang Februar war klar, dass wir den Kindergarten- und Schulbetrieb in El Agustino nach den Ferien nicht wieder aufnehmen können, ohne horrende Strafzahlungen zu riskieren. Am schlimmsten war die Situation im Kindergartenbereich. Die Gebäude dort stammen noch aus der Gründerzeit des Kinderwerkes vor 50 Jahren. Es blieb nur die radikalste aller Lösungen: Der Abriss aller Kindergartengebäude und der Bau eines provisorischen Kindergartens.

So hoffen wir von den Behörden eine vorläufige Genehmigung für den Kindergarten- und Schulbetrieb zu bekommen, um im Laufe dieses Jahres die dringendsten Verbesserungen in Angriff nehmen zu können.

Neben der Unsicherheit, die das alles bei unseren Mitarbeitern und Eltern verursacht, bleibt noch die große Frage, wie ein Neubau des Kindergartens überhaupt finanziert werden soll. Darauf haben wir im Moment noch keine Antwort. Wir wissen nur, dass wir dazu gezwungen sind, sonst müssten wir den Kindergartenbetrieb einstellen und 320 Kinder aus sozial benachteiligten Verhältnissen, samt ihren über 1.000 Angehörigen hätten von heute auf morgen niemand mehr, der sich um sie kümmert.

Allein die Einrichtung der Provisorien kostet über 100.000 Euro (117.000 CHF).

Nähere Informationen zum Spendenprojekt hier.

Der vollständige Artikel dazu kann in unserem aktuellen Rundbrief nachgelesen warden.