1. August 2017Rubrik Allgemein
Patenkind trifft Familie nach 13 Jahren

An einem späten Sommernachmittag empfängt Familie Morlok ganz besonderen Besuch: Joseph, ihr Patenkind aus Peru, rollt in einem VW-Bus auf den Hof ihres Hauses bei Stuttgart. Seit seinem dritten Lebensjahr unterstützen sie ihn. Heute ist er 17 Jahre alt und sie werden sich das erste Mal sehen.

Vater Morlok wird später sagen: „Es war, als käme ein Verwandter zu Besuch, auf den man sich freut“.

Joseph ist auf Einladung des Kinderwerkes in Deutschland. Regelmäßig organisieren die Mitarbeiter in Deutschland und der Schweiz Begegnungen von Schülern und Lehren aus Peru mit Kirchengemeinden, Schulklassen und Konfirmanden. Dieses Jahr sind zwei Schüler und zwei Lehrerinnen gekommen. Sie geben Einblicke in die peruanische Kultur und berichten über ihr Leben in Lima und den Schulalltag der Gutenberg-Schule. Dank dieser Reise ist es Joseph möglich, seine Paten persönlich kennenzulernen.

„Es war eine sehr emotionale Begegnung für mich und je näher wir dem Ort kamen, desto aufgeregter wurde ich. Es war wirklich ein Moment großer Freude“. Joseph lacht und sagt dann, er sei von der Größe seines Paten überrascht gewesen.

Im Wohnzimmer setzen sich alle auf das heimische Sofa und die Patin Claudia holt einen Ordner hervor. Joseph bekommt nun zu Gesicht, was Familie Morlok in 13 Jahren Patenschaft sorgsam dokumentiert hat. Einmal lacht Joseph verlegen auf, als er eine von ihm bestickte Weihnachtskarte in den Händen hält.

„Ich merke wie mir meine Paten all die Jahre gedanklich gefolgt sind“, sagt Joseph. „Es ist schon etwas Besonderes, sie jetzt persönlich zu treffen“. Das Ehepaar hat fünf Kinder, die teilweise schon erwachsen sind.  Auch sie haben sich sehr auf Joseph gefreut. Der älteste Sohn Manuel macht eine Ausbildung zum Landwirt. Er holt er den großen Fendt-Traktor und macht mit Joseph eine Spritztour durchs Dorf. Joseph strahlt über beide Ohren: „Es war wirklich cool, mit Manuel auf dem Trecker zu fahren. Obwohl er kein Spanisch spricht und ich kein Deutsch hat er mir jeden Hebel erklärt und ich habe jetzt eine Ahnung, wie so ein Ding funktioniert." Für Joseph war es etwas ganz Besonderes, in die Welt seiner Paten einzutauchen: „Ich fühlte mich wie ein Mitglied der Familie. Ich habe ihnen für die Unterstützung in all den Jahren ganz herzlich gedankt. Aber am Ende des Besuches hatte ich eher das Gefühl, dass sie sich bei mir bedanken.“ Auch für Familie Morlok war dieses Treffen ein einmaliges Erlebnis: „Als wir vor 13 Jahren in Heidenheim beim Jahresfest des Kinderwerkes waren, haben wir uns entschieden eine Patenschaft zu übernehmen und wir haben es nie bereut“.